Bild: Helmut Frießenbichler

Das Wetter ist einer der wichtigsten Faktoren für eine gelungene Tour im Gebirge. Ist man in den Bergen unterwegs, tut man gut daran, vor der Tour zumindest den Wetterbericht angesehen zu haben. Noch besser ist es, wenn man sich mit dem Wettergeschehen eingehender beschäftigt, um selber die ersten Anzeichen eines drohenden Wetterumschwungs deuten zu können. Dazu steht zahlreiche Literatur zur Verfügung und wem das Geschriebene allein zu trocken ist, wendet sich an einen alpinen Verein. Hilfreich ist auf jeden Fall auch ein Höhenmesser, der die Höhe über Normalnull mittels Luftdruck misst, denn der Luftdruck ist ein wichtiger Indikator für das Wetter.

Es gibt einige Faustregeln zu Orientierung:

  • Steigender Luftdruck über die Dauer eines Tages bedeutet Wetterbesserung. Stabiles Wetter für mehrere Tage kündigt sich an, wenn der Luftdruck über zwei oder mehr Tage nach oben geht. Steigt jedoch der Luftdruck rasant an, ist die eintretende Besserung nur von kurzer Dauer.
  • Fallender Luftdruck bedeutet Wetterverschlechterung. Dreht der Wind (im Alpenraum) gleichzeitig von Nord oder Ost auf Süd oder Südwest, sind Niederschläge wahrscheinlich. Fällt der Luftdruck rasant, kündigt sich ein Gewitter an.

Es gibt auch noch noch einige Wetterregeln, die nicht immer 100prozentig stimmen. Diese helfen aber dem Bergsteiger kritisch zu sein und das Wetter aufmerksam zu beobachten:

  • Abendrot - Schönwetterbot:
    Für ein intensives Abendrot zeichnet eine stabile Hochdrucklage verantwortlich. Weil im Zentrum eines solchen Hochs geringe Luftbewegung herrscht, bilden sich Dunstschichten, die von der Abendsonne angestrahlt, das Naturschauspiel verursachen.
  • Morgenrot - Bergsteigertod:
    Ganz so drastisch wird es hoffentlich nicht, aber immerhin hat man sich einen Reim darauf gemacht. Intensives Morgenrot entsteht, wenn die aufgehende Sonne im Osten den westlichen Himmel beleuchtet, auf dem sich Eiswolken gebildet haben. Solche Eiswolken (Cirrostratus-Bewölkung) kündigen eine Warmfront an: Schlechtes Wetter droht.
  • Hof um Sonne oder Mond kündigen Regen und Wind an:
    Ein Hof (Halo) um Sonne oder Mond entsteht, wenn sich das Licht durch bestimmte Schichten in der Luft bricht. Diese Art von Lichtbrechung findet in hohen Wolkenschichten an Cirrostratus-Bewölkung statt, welche eine Warmfront ankündigt.
  • Fliegen Schwalben tief, droht Schlechtwetter:
    Auf dieses Phänomen kann man sich ziemlich sicher verlassen. Schwalben jagen Insekten, die sich für gewöhnlich bei Hochdrucklage in höheren Luftschichten aufhalten. Diese Insekten flüchten in Bodennahe Luftschichten, wenn sich ein Wetterumschwung ankündigt.

Insgesamt sollte man sich während einer Tour bei Hochdruckwetterlage darüber im Klaren sein, dass regional kurze Gewitter oft unvermittelt auftauchen. Kommt man in ein solches Ungemach, ist es das allerwichtigste, nicht in Panik zu geraten. Die Gefahr bei einem überhasteten Abstieg auszurutschen und sich zu verletzen ist höher, als vom Blitz getroffen zu werden. Reagieren Sie besonnen, dann kann wenig passieren:

  • Einzeln stehende Bäume und Waldränder meiden.
  • Exponierte Stellen (Gipfel, Grate, Kuppen) meiden, besser in Mulden auf eine isolierende Unterlage (z. B. Rucksack, Seil) kauern.
  • kleine Höhlen, Nischen und große Felsblöcke meiden.
  • Gruppenbildung vermeiden.
  • Sich aufs möglichst kleiner Fläche zusammenkauern, Füße eng beieinander, mit den Händen die Unterschenkel umgreifen, Kopf einziehen.
  • Sich von Drahtseilversicherungen fern halten.
  • Wenn möglich, sich auf Schnee kauern, nicht auf Fels.
  • Metallische Gegenstände etwa 30 Meter entfernt ablegen.
  • In einer Höhle mit ausreichender Größe genügend Abstand zu den Wänden halten (> 1,5 Meter nach oben, > 2 Meter nach hinten, > 1,5 Meter zu den Seiten).

Buchtipp: Das Wetterjahr in Österreich. Andreas Jäger/Manfred Bauer. Döcker-Verlag/Wien. ISBN 3-85115-269-7.

Anna Walli