Mit Sicherheit mehr Spaß

"No risk no fun"  hört man oft bei vielen Freizeitaktivitäten. Auch im Alpinsport gilt manchmal derjenige als "cooler Typ", der hohe Risikobereitschaft zeigt. Der Begriff Sicherheit wird dann rasch mit Langeweile, oft sogar mit Feigheit assoziiert. "Mit Sicherheit mehr Spaß" – so heißt die richtige Antwort.  

Die Einsatzzahlen der Bergrettung im vergangenen Jahr sowie der starke Anstieg der schweren und tödlichen Unfälle im vergangenen Jahr sprechen hier eine deutliche Sprache. Hinter nüchternen Zahlen stehen in jedem Fall Einzelschicksale und oft war dabei die Risikobereitschaft viel zu hoch und die Folgen dramatisch.

Sicherheitstipps beachten – Wintermärchen sorgenfrei erleben.

Dabei ist es genau umgekehrt. Nur ein perfektes Risikomanagement gibt uns die Möglichkeit unser persönliches Leistungspotential im Alpinsport auszuschöpfen – sprich richtig Spaß zu haben. Es heißt zwar immer: "Mut kann man nicht kaufen" - die Gesundheit jedoch auch nicht! Aus der Erfahrung und der Analyse vieler Unfälle hat die Bergrettung daher sieben einfache Sicherheitstipps zusammengefasst:

  1. Richtige Selbsteinschätzung
    Das bedeutet eine ehrliche Einschätzung des Könnens und der eigenen Kräfte und die der Begleiter, besonders der Kinder. Danach richtet sich die Länge und Schwierigkeit der Tour. Häufige Unfallursachen sind Übermüdung, Erschöpfung und Überforderung.
  2. Richtige Tourenplanung
    Vor Beginn der geplanten Tour alle möglichen Informationen aus Karten, Tourenführern, Tourenberichten im Internet, Wetterinformationen usw. einholen. Grundsätzlich auf dem geplanten Weg bleiben. Laufend das Umfeld beobachten und das Verhalten anpassen. Ein Angehöriger, der Quartiergeber im Urlaub, der Hüttenwirt, sollten wissen, welche Tour man sich vornimmt und wann man spätestens wieder zurück sein möchte. Verirren führt oft zu aufwändigen, langwierigen und teuren Sucheinsätzen.
  3. Richtige Ausrüstung
    Die erforderliche Ausrüstung sorgfältig nach Jahreszeit, Dauer, Art und Schwierigkeit der Tour zusammenstellen. Orientierungsmittel und Notfallausrüstung wie Rucksackapotheke, Handy mit vollem Akku, akustische/optische Signalmittel sowie Regenschutz und Taschenlampe immer dabei haben. Unterkühlung führt auch im Sommer schnell zu Leistungsverlust mit völliger Erschöpfung.
  4. Richtiges Tempo 
    Das Tempo orientiert sich stets am schwächsten Mitglied einer Gruppe. Die Gruppe nicht teilen oder verlassen. Zu schnelles Gehen führt zu frühzeitiger Ermüdung und Überforderung und in weiterer Folge zu Erschöpfung.
  5. Richtige Verpflegung
    Ausreichend mineralsalzhaltige Getränke und energiereiche Nahrung mitnehmen. Vor der Tour in Ruhe Frühstücken - aber den Gipfel stürmt man nicht mit vollem Magen. Regelmäßig Verpflegungspausen einlegen und ausreichend trinken. Kein Alkohol! Alkohol macht müde und leichtsinnig. Dehydrierung ist neben Unterkühlung häufigste Ursache für einen völligen Zusammenbruch.
  6. Richtige Wettereinschätzung
    Frühzeitig, schon bei der Tourenplanung, Wetterinformationen einholen und die Wetterlage bereits vor dem Beginn der Tour beobachten. Anpassen an die Wetterentwicklung und rechtzeitiges Umkehren bzw. Schutz suchen bei einem Wettersturz ist ein Zeichen von Stärke und Umsicht. Das Wetter passt sich nicht an uns an. Nässe und Kälte führen rasch zu Unterkühlung. Wetterinfo im ORF-Teletext ab Seite 600 oder im Internet:  www.zamg.ac.at.
  7. Richtige Reaktion bei Notfällen
    Im Notfall den Bergrettungsnotruf 140 (Vorarlberg: 144) wählen. Unfallgeschehen und Ort möglichst genau schildern (wer, was, wo, wie viele, wann?). Ruhe bewahren, den Anweisungen folgen und am Unfallort warten bis Hilfe eintrifft. Sparsam telefonieren damit der Akku lange reicht. Einen Verletzten grundsätzlich nicht allein lassen.  

Sie hat gut lachen: Die Wanderung zu den Edelweißwiesen war perfekt geplant.

Aus Sicht der Bergrettung helfen diese Tipps mit, dass Sie ihr Ziel sicher erreichen und am Ende des Tages auf ein genussvolles Erlebnis zurückblicken können.  

Wolfgang Bierbauer
Landeseinsatzleiter    

Bilder: Friessenbichler