Schwierigkeitsbewertung von Klettersteigen
Manchen Wanderer möchte auch einmal in den Fels greifen, ohne gleich eine eigene Sicherungskette aufbauen zu müssen. Dazu eignen sich versicherte Klettersteige, die in Österreich immer beliebter werden. Auch das Begehen von Klettersteigen will gelernt sein. Dabei helfen Bergschulen und Alpine Vereine.
Fix ist, dass man zum Klettersteiggehen eine Sicherheitsausrüstung benötigt: Helm, eventuell Handschuhe und ein Klettersteigset mit dynamischer Bremse sind obligat. Damit hat der angehende Ferratisti „Hosenträger“ an und es kann (fast) nichts mehr passieren.
Klettersteige sind ausgesetzte Pfade oder Kletterrouten, die mit fixen Sicherungsanlagen versehen sind. Weil diese meist aus Eisen sind, nennt man einen solchen Weg auch Via Ferrata (Eisenweg). Die Wiege der versicherten Pfade steht in den Wiener Hausbergen auf Rax und Schneeberg, zur weltweiten Erfolgsgeschichte wurden die Eisenwege aber von den Dolomiten aus.
Klassiker in Niederösterreich sind der Alpenvereinssteig aus dem Großen Höllental auf die Rax in Schwierigkeit A/B und der Haidsteig in der Preinerwand (Rax) mit Schwierigkeitsgrad C/D. Auch die Hohe Wand bietet eine Vielzahl von (kürzeren) Routen. Zum Einstieg empfehlenswert wäre der Vogelbergsteig (Schwierigkeit A) in Dürnstein/Wachau.
In Sachen Schwierigkeiten hat sich die Buchstabenbewertung des Sportkletterers und Führerautors Kurt Schall bei uns durchgesetzt:
A, leicht
Einfache, mit Drahtseilen oder Ketten gesicherte Steige. Angelehnte längere oder kurze senkrechte Leitern. Geländer und Eisenklammern in nicht allzu steilem Gelände. Einzelne Stellen können ausgesetzt sein, sind jedoch leicht zu begehen. Meist gute Tritte und Stufen zum Steigen. Für trittsichere Bergwanderer noch keine Klettersteig-Selbstsicherung erforderlich. Für Kinder und Anfänger gut geeignet.
Beispiel: Vogelbergsteig, A, in Dürnstein/Wachau.
B, mäßig schwierig
Bereits steileres Felsgelände mit teilweise kleintrittigen, ausgesetzten Passagen. Senkrechte, längere Leitern, Eisenklammern und Trittstifte. Manche Passagen können bereits kraftraubend sein. Auch routinierte Berggeher verwenden hier bereits eine Klettersteig-Selbstsicherung. Für Kinder unbedingt ein kurzes Sicherungsseil.
Beispiel: Frauenluckensteig, B, auf die Hohe Wand
C, schwierig
Sehr steiles Felsgelände, großteils Passagen mit kleinen Tritten, die fast immer ausgesetzt sind. Senkrechte, bis leicht überhängende Leitern, Eisenklammern oder Trittstifte, die manchmal auch weit auseinander liegen. Oft auch senkrechte, nur mit einem Stahlseil gesicherte Abschnitte. Für Anfänger und Jugendliche nur mehr mit zusätzlicher Seilsicherung durch einen erfahrenen Vorsteiger zu empfehlen.
Beispiel: Haidsteig, C, auf der Rax mit zwei kurzen D-Stellen.
D, sehr schwierig
Senkrechtes, oft überhängendes Felsgelände. Eisenklammern oder Trittstifte liegen weit auseinender. Sehr ausgesetzt und steil, oft auch nur mit einem Stahlseil gesichert. Bereits hohe Anforderungen an die Steigtechnik. Guter Trainingszustand ist Bedingung, Klettererfahrung von Vorteil. Schwächere Klettersteiggeher sollten nur mehr mit einem erfahrenen Vorsteiger und zusätzlicher Seilsicherung gehen.
Beispiel: Wildenauersteig auf der Hohen Wand.
E, extrem schwierig
Das ist nur mehr etwas für erfahrene Kletterer und Ferrata-Experten. Extreme Anforderungen an Armkraft, Steigtechnik, Mut und Geschicklichkeit. Im Moment das oberste Ende der Fahnenstange.
Beispiel: Königschusswandsteig/Rax oder Blutspur/Hohe Wand.
Zwischen den einzelnen Schwierigkeitsgraden gibt es Zwischenstufen: A/B, B/C.
Helmut Friessenbichler