Seit der Einführung des Digitalfunks bei der Landesorganisation Niederösterreich/ Wien des Österreichischen Bergrettungsdienstes wurde das System ständig weiterentwickelt. Der derzeitige befristete Parallelbetrieb von Analog- und Digitalfunk wird in einigen Gebieten im Laufe des Jahres 2012 eingestellt, die 13 analogen Funkrelais werden nach und nach abgeschaltet.
Bald geht eine Ära - ein eigenes Funksystem der Bergrettung - zu Ende. Mit Beginn der Wintersaison 2010 wurden alle Bergretter (über 1.300 BergretterInnen) auf das neue System und die neuen Funkgeräte geschult. Die neuen Geräte sind bereits in allen Ortsstellen ein fixer Bestandteil der Ausrüstung, die Analoggeräte sind nur noch vereinzelt in einigen Ortsstellen, auf Grund von Netzabdeckungsproblemen in Verwendung. Die meisten Probleme gibt es wegen topografischen Verhältnissen im Rax- und Schneeberggebiet und im Grenzgebiet zur Steiermark, dies liegt allerdings daran, dass in unserem Nachbarbundesland noch kein Digitalsystem aufgebaut wurde.
Anfang August führten Funkreferenten der Bergrettung, Mitarbeiter der niederösterreichischen Landesregierung und Mitarbeiter der Betreiber-Firma Tetron, Tests in diesem Problemgebieten durch. Es wurde unter anderem die Netzabdeckung überprüft und einige neue Geräte getestet.
Ernsthafte Probleme mit diesem Funksystem gab es laut Landesfunkreferent (LFK) Erich Hofmann außer mit der Netzabdeckung seit der Einführung nicht. Einige wenige Ungereimtheiten sollten bis zum Ende des Parallelbetriebes behoben werden.
Der Anlass des Umstieges des Funksystems hat viele Gründe, einerseits höhere Anforderungen und andererseits finanzielle. Die Errichtungs- und Unterhaltskosten des Tetron-Systems werden vom Bundesministerium für Inneres und von den einzelnen Bundeländern übernommen, es entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten für die Bergrettung Nö/Wien. Für Einsätze sehr wichtig ist die organisationsübergreifende Kommunikation mit anderen Einsatzkräften. In Niederösterreich sind bereits alle Rettungsorganisationen (Feuerwehr, Rotes Kreuz, Arbeiter Samariter Bund, Wasserrettung, Höhlenrettung) damit ausgestattet, dadurch ist ein effektiveres und schnelleres Arbeiten im Rettungsdienst möglich.
Mit den von der Bergrettung verwendeten Geräten, welche auch bei Feuerwehr und den anderen Rettungsorganisationen in Gebrauch sind, kann weit mehr gemacht werden als nur zu funken. Es besitzt mehrere Nutzungsmöglichkeiten: Telefon, GPS, Kurzmitteilungen etc. Durch eine Verschlüsselung ist ein „mithören“ Unbefugter nicht möglich, damit ist der Datenschutz gewährleistet. Durch die GPS- Funktion wird es demnächst auch möglich sein, dass jedes einzelne Funkgerät ständig Standortdaten an die Einsatzleitung und den Disponenten von Notruf Niederösterreich sendet. Diese Funktion bietet im Dienst und Einsatz eine erhebliche Erleichterung der Koordination der Bergretter. Nach derzeitigem Stand ist ein Komplettumstieg des Funksystems mit 2012 geplant. Laut Landes-Funkreferenten Erich Hofmann steht diesem Vorhaben nichts im Wege.
Jürgen Koptik (Text)
Erich Hofmann (Bilder)
In Anwesenheit zahlreicher Prominenz wurde am 28. April das neue digitale Funksystem Tetron im Land Niederösterreich seiner Bestimmung übergeben. Mit diesem neuen System können Blaulicht-Organisationen im Ernstfall über Funk miteinander kommunizieren.
Die Bergrettung Niederösterreich/Wien wird im Frühjahr 2011 komplett auf digitalen Funk umgestellt sein.

Prominenz bei der Eröffnung von Tetron in Tulln
Bei der letzten Landesversammlung der Bergrettung Niederösterreich / Wien wurde durch die 30 Ortsstellenleiter der Umstieg auf das digitale Behördenfunk-System beschlossen. „Das mehr als 300.000 Euro teure Projekt wird nun zügig umgesetzt und soll in einem Jahr mit einer nur kurzen doppelseitigen Umstiegsphase in Vollbetrieb gehen“, so Franz Lindenberg, ÖBRD-Landesleiter.

Netzabdeckungstest durch Funkwarte Hohe Wand (Bild: Bergrettung NÖ/W)
Die Bergrettung Niederösterreich zählt derzeit zirka 1.300 Mitglieder, wovon rund 1.000 Retter aktiv im Einsatz sind. Jährlich werden 700 bis 900 Einsätze, häufig in Zusammenarbeit mit allen anderen niederösterreichischen Einsatzorganisationen, bearbeitet.
Der Wunsch nach der einheitlichen Kommunikation und der direkten Verbindung zu den anderen Einsatzorganisationen waren für die Anschaffung des digitalen Funks bei der Bergrettung Niederösterreich ausschlaggebend.
Wie ein Sprecher der Bergrettung NÖ berichtet, wurden in der Vergangenheit bei organisationsübergreifenden Einsätzen Analog-Funkgeräte ausgetauscht, um die gemeinsame Kommunikation aufrechterhalten zu können.

Antennenmontage in Niederösterreich (Bild: Tetron GmbH)
Dies soll jetzt ein Ende haben: Seit ca. einem Jahr verfügt die Bergrettung NÖ über digitale Testgeräte. Die positive Bilanz der Testergebnisse: Einheitliche Kommunikation, gute Sprachqualiät und integrierte GPS-Funktion waren nun überzeugend genug für die endgültige Anschaffung des digitalen Funksystems.
Parallelbetrieb ist für die Bergrettung NÖ nicht denkbar. Die Vorarbeiten für die Umstellung auf Digitalfunk laufen bereits. Die Umstellungsphase soll so kurz wie möglich werden.
„Führungsmittel, wie es das Digitalfunksystem ermöglicht, sind wesentliche Rahmenbedingungen der Einsatzführung. Dabei ist aber nicht nur die organisationsübergreifende Kommunikation ein maßgeblicher Aspekt. Flächenabdeckung des Funknetzes, Mehrfachnutzung der Hardware (Funk, GPS, Telefon, etc.) und Datensicherheit sind ebenso wie die hohe Kompatibilität wesentliche Merkmale dieses modernen Systems. Für unsere Bergretterinnen und Bergretter, welche in absehbarer Zeit mit diesem neuen System Einsätze leiten und durchführen werden, wird der Tetron Digitalfunk einen wichtigen Beitrag zur weiteren Optimierung im organisierten alpinen Rettungswesen sein“, erklärt dazu ÖBRD-Landesleiter Franz Lindenberg.