Im vergangenen Jahr wurde der Österreichische Bergrettungsdienst (ÖBRD) zu 6.722 Einsätzen mit insgesamt 68.073 Einsatzstunden gerufen. 7.008 Personen wurden geborgen, davon 5.857 verletzt und 170 tot. Bei einem Pressegespräch mit den Österreichischen Lotterien in Wien, Sponsor der Bergrettung, wurde diese Bilanz vorgestellt.

Von Reinhold Dörflinger, Gebhard Barbisch & Gerald Lehner
Fast 6.200 Personen wurden im Jahr 2009 vom Österreichischen Bergrettungsdienst geborgen - davon 4.727 Verletzte, 1.332 Unverletzte und 134 Tote. 5.929 Einsätze gab es 2009 bundesweit. 59.200 ehrenamtliche Einsatzstunden von Bergrettungsleuten wurden dabei geleistet. 59.200 Einsatzstunden des ÖBRD sind fast sieben "Einsatzjahre" im Jahr 2009 - umgerechnet: Sieben Bergretter wären ein ganzes Jahr lang 24 Stunden tagtäglich im Einsatz.
Wertschöpfung für den Staat
Bei einem theoretisch angenommenen Stundensatz von 55 Euro (geringe Annahme für Fachpersonal) wäre das - allein bei Einsätzen (ohne Ausbildungszeiten) - ein finanzieller Gegenwert von fast 3,26 Millionen Euro, den Österreichs ehrenamtliche Bergrettung im Sinne des Gemeinwohls dem Tourismusland und der Republik Österreich gebracht hat - allein im Jahr 2009.
Zeiten, Zahlen und Wertschöpfung für Ausbildung und Training der Einsatzkräfte sind in dieser Kalkulation noch nicht enthalten. Sie würden ein Vielfaches der 3,26 Millionen Euro ausmachen.
Aktuelle Trends im Einsatzgeschehen 2009
"Aufklärungs- und Informationsarbeit der letzten Jahre tragen Früchte", sagt ÖBRD-Präsident Reinhold Dörflinger zu diesen aktuellen Trends. Wermutstropfen seien die weiterhin besonders vielen Rettungsaktionen für Wanderer und Spaziergänger, die in "leichtem" Gelände verunglücken bzw. an Schäden von Herz und Kreislauf leiden bzw. sterben."
Fels- und Eiskletternklettern, Ski- und Snowboard-Touren oder Variantenfahrten - die aus der Sicht von Laien scheinbar gefährlichsten Aktivitäten im Gebirge - wirken sich statistisch bei weitem nicht so stark auf Geborgene, Verletzte und Tote aus wie beispielsweise das Wandern. Dieser Bereich mit Millionen zum Teil untrainierter Akteure beschäftigt unsere Einsatzkräfte weiter mit großem Abstand am meisten und öftesten, und noch immer scheinen viele Einheimische und Gäste unterwegs zu sein, die sich körperlich und geistig zu wenig vorbereiten für die Bergewelt.

Immer weniger Lawinentote
Besonders erfreulich sei, betont Dörflinger, dass die Realität der Zahlen bei Lawinentoten und Unfällen abseits von gesicherten Pisten anders aussieht als Realitäten, wie sie sich immer wieder in Massenmedien spiegeln.
Obwohl die Gesamtzahl der Sportlerinnen und Sportler abseits von Pisten (Ski- und Snowboardtouren, Variantenabfahrten ...) in den letzten Jahren extrem zugenommen habe, seien die Zahlen bei Toten, Verletzten etc. zum Teil sogar rückläufig im Überblick des letzten Jahrzehnts: "Aus der Sicht der Bergrettung ist jeder tote Mensch ein tragisches Schicksal zu viel. Tote wird es im Gebirge jedoch immer geben. Aus unserer Sicht sehr erfreulich ist, dass das mathematische Verhältnis für die Gesamtzahl von Millionen lebenden Berg- und Winterssportlern zu den toten oder verletzten immer günstiger wird", betont Dörflinger.
Die über die Jahre beobachtbare Abnahme bei den - besonders zermürbenden Suchaktionen - in Sommer und Herbst sieht ÖBRD-Präsident Dörflinger ebenfalls als Folge von Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.
DATEN & FAKTEN IM DETAIL
GEBORGENE PERSONEN: TOT, VERLETZT, UNVERLETZT
AUFSCHLÜSSELUNG DER TOTEN
NACH STAATSBÜRGERSCHAFTEN
STATISTIK DER EINSATZKRÄFTE FÜR 2009
AUFSCHLÜSSELUNGEN NACH DEN SIEBEN ÖBRD-LANDESLEITUNGEN gereiht nach Anzahl der ÖBRD-Mitglieder

HUBSCHRAUBER? WICHTIGER HINWEIS: Alle Daten beziehen sich auf rein bodengebundene Bergrettungseinsätze bei teils gefährlichen Wetterbedingungen (Sturm, Gewitter, Nebel, Schneetreiben, Dämmerung, Dunkelheit ...)
Als einzelne "Einsätze" gelten auch aufwändige Suchaktionen, die mehrere Tage oder manchmal auch Wochen dauern können. Unsere Daten beinhalten NICHT die Arbeit von Hubschrauberbesatzungen, bei denen auch Bergrettungsleute als Flugretter, Notfallsanitäter, Navigatoren und Ärzte im Einsatz sind. Hubschrauber-Einsatzdaten sind in ihrer Gesamtheit in Österreich kaum zu ermitteln, weil es bundesweit eine Vielzahl privater Hubschrauberbetreiber gibt.
Die Mehrzahl publizieren keine genauen Daten, schreibt Martin Zirwig in einer Studie der Universität Wien - ein Wissenschafter, der das österreichische Flugrettungswesen analysiert hat.