ÖBRD-Bilanz für das Jahr 2010

Im vergangenen Jahr wurde der Österreichische Bergrettungsdienst (ÖBRD) zu 6.722 Einsätzen mit insgesamt 68.073 Einsatzstunden gerufen. 7.008 Personen wurden geborgen, davon 5.857 verletzt und 170 tot. Bei einem Pressegespräch mit den Österreichischen Lotterien in Wien, Sponsor der Bergrettung, wurde diese Bilanz vorgestellt.

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Einsatzgeschehen & Jahresbericht 2009

Von Reinhold Dörflinger, Gebhard Barbisch & Gerald Lehner

Fast 6.200 Personen wurden im Jahr 2009 vom Österreichischen Bergrettungsdienst geborgen - davon 4.727 Verletzte, 1.332 Unverletzte und 134 Tote. 5.929 Einsätze gab es 2009 bundesweit. 59.200 ehrenamtliche Einsatzstunden von Bergrettungsleuten wurden dabei geleistet. 59.200 Einsatzstunden des ÖBRD sind fast sieben "Einsatzjahre" im Jahr 2009 - umgerechnet: Sieben Bergretter wären ein ganzes Jahr lang 24 Stunden tagtäglich im Einsatz.

Wertschöpfung für den Staat
Bei einem theoretisch angenommenen Stundensatz von 55 Euro (geringe Annahme für Fachpersonal) wäre das - allein bei Einsätzen (ohne Ausbildungszeiten) - ein finanzieller Gegenwert von fast 3,26 Millionen Euro, den Österreichs ehrenamtliche Bergrettung im Sinne des Gemeinwohls dem Tourismusland und der Republik Österreich gebracht hat - allein im Jahr 2009.
Zeiten, Zahlen und Wertschöpfung für Ausbildung und Training der Einsatzkräfte sind in dieser Kalkulation noch nicht enthalten. Sie würden ein Vielfaches der 3,26 Millionen Euro ausmachen.

Aktuelle Trends im Einsatzgeschehen 2009

  • Gesamtzahl der Einsätze in den letzten Jahren eher konstant.
  • Gesamtzahl der Verletzten eher konstant, viel weniger als früher, sehr großer Hauptanteil.
  • Einsätze für Skitourengeher (trotz des gewaltigen Booms und immer mehr Ausübenden) über die Jahre konstant.
  • Gesamtzahl der Toten nimmt stark ab, viel weniger als früher.
  • Immer weniger Tote beim Wandern, dennoch sehr großer Hauptanteil.
  • Immer mehr Einsätze für Wanderer im leichten Gelände, größer Anteil aller.
  • Zahl der Lawinentoten nimmt weiter ab, viel weniger als früher.
  • Zahl der Toten auf Skitouren nimmt weiter ab, viel weniger als früher.
  • Zahl der unverletzt Geborgenen nimmt stark zu.
  • Zahl der Toten auf Skipisten nimmt weiter ab, viel weniger als früher.
  • Weiter vergleichsweise geringe Zahl von Vermissten, die tot sind. Viel weniger als früher.
  • Einsätze auf Skipisten werden weiter deutlich weniger, dennoch mit Abstand größter Anteil.
  • Suchaktionen deutlich weniger, Trend des Rückganges weiter bestätigt.

"Aufklärungs- und Informationsarbeit der letzten Jahre tragen Früchte", sagt ÖBRD-Präsident Reinhold Dörflinger zu diesen aktuellen Trends. Wermutstropfen seien die weiterhin besonders vielen Rettungsaktionen für Wanderer und Spaziergänger, die in "leichtem" Gelände verunglücken bzw. an Schäden von Herz und Kreislauf leiden bzw. sterben."

Fels- und Eiskletternklettern, Ski- und Snowboard-Touren oder Variantenfahrten - die aus der Sicht von Laien scheinbar gefährlichsten Aktivitäten im Gebirge - wirken sich statistisch bei weitem nicht so stark auf Geborgene, Verletzte und Tote aus wie beispielsweise das Wandern. Dieser Bereich mit Millionen zum Teil untrainierter Akteure beschäftigt unsere Einsatzkräfte weiter mit großem Abstand am meisten und öftesten, und noch immer scheinen viele Einheimische und Gäste unterwegs zu sein, die sich körperlich und geistig zu wenig vorbereiten für die Bergewelt.

Immer weniger Lawinentote
Besonders erfreulich sei, betont Dörflinger, dass die Realität der Zahlen bei Lawinentoten und Unfällen abseits von gesicherten Pisten anders aussieht als Realitäten, wie sie sich immer wieder in Massenmedien spiegeln.

Obwohl die Gesamtzahl der Sportlerinnen und Sportler abseits von Pisten (Ski- und Snowboardtouren, Variantenabfahrten ...) in den letzten Jahren extrem zugenommen habe, seien die Zahlen bei Toten, Verletzten etc. zum Teil sogar rückläufig im Überblick des letzten Jahrzehnts: "Aus der Sicht der Bergrettung ist jeder tote Mensch ein tragisches Schicksal zu viel. Tote wird es im Gebirge jedoch immer geben. Aus unserer Sicht sehr erfreulich ist, dass das mathematische Verhältnis für die Gesamtzahl von Millionen lebenden Berg- und Winterssportlern zu den toten oder verletzten immer günstiger wird", betont Dörflinger.

Die über die Jahre beobachtbare Abnahme bei den - besonders zermürbenden Suchaktionen - in Sommer und Herbst sieht ÖBRD-Präsident Dörflinger ebenfalls als Folge von Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

DATEN & FAKTEN IM DETAIL

  • 5.929 Einsätze des ÖBRD bundesweit im Jahr 2009
    Zahl zu 2008 leicht gesunken (6.224). Niveau der letzten Jahre bestätigt. Insgesamt geringer als zwölfjähriger Durchschnitt (6.560).
  • 3.561 Einsätze auf Pisten
    Zahl zu 2008 leicht gesunken (3.801). Niveau der letzten Jahre bestätigt. Insgesamt VIEL geringer als zwölfjähriger Durchschnitt (4.334).
  • 2.041 Einsätze für Wanderer bzw. im "leichten" Gelände
    Zahl zu 2008 signifikant zugenommen (1.926). Deutlich über Niveau der letzten Jahre. Insgesamt deutlich über zwölfjährigem Schnitt (1.798).
  • 95 Einsätze für Felskletterer und Klettersteigbegeher
    Zahl zu 2008 extrem gesunken (261). Sehr weit unter Niveau der letzten Jahre. Insgesamt SEHR STARK unter zwölfjährigem Durchschnitt (167).
  • 289 Suchaktionen für Vermisste
    Zahl zu 2008 stark abgenommen (405). Stark unter Niveau der letzten Jahre. Deutlich unter zwölfjährigem Durchschnitt (302).
  • 198 Einsätze für Skitourengeher
    Zahl zu 2008 leicht gesunken (205). Niveau der letzten Jahre bestätigt. Ingesamt nahe an zwölfjährigem Durchschnitt (207).
  • 19 Einsätze für Eis- und Gletschergeher
    Zahl zu 2008 stark gesunken (31). Insgesamt weit unter zwölfjährigem Durchschnitt (29).
  • 99 Einsätze bei Lawinen
    Zahl zu 2008 leicht abgenommen (118). Niveau der letzten Jahre bestätigt. Insgesamt leicht über zwölfjährigem Durchschnit (82).
  • 108 Blindeinsätze
    Zahl zu 2008 leicht abgenommen (123). Höheres Niveau der letzten Jahre bestätigt. Weit über zwölfjährigem Durchschnitt (78).

GEBORGENE PERSONEN: TOT, VERLETZT, UNVERLETZT

  • Insgesamt 6.193 Geborgene im Jahr 2009
    Zahl zu 2008 leicht abgenommen (6.461). Niveau der letzten Jahre bestätigt. Insgesamt deutlich unter zwölfjährigem Durchschnitt (6.744).
  • 134 Tote geborgen
    Zahl zu 2008 deutlich abgenommen (145). Dauernd sinkendes Niveau in den letzten Jahren. Zweitniedrigste Zahl seit zwölf Jahren. Sehr deutlich unter zwölfjährigem Durchschnitt (176).
  • 4.727 Verletzte geborgen
    Zahl zu 2008 stark abgenommen (5.263). Niveau der letzten Jahre eher bestätigt. Insgesamt weit unter zwölfjährigem Durchschnitt (5.553).
  • 1.332 Unverletzte
    Zahl zu 2008 stark gestiegen (1.053). Weit über Niveau der letzten Jahre. Höchste Zahl seit zwölf Jahren (Durchschnitt: 1.015).

AUFSCHLÜSSELUNG DER TOTEN

  • 78 Tote beim Wandern bzw. in "leichtem" Gelände
    Zahl zu 2008 stark abgenommen (94). Niveau wird seit Jahren dauernd niedriger. Weit unter zwölfjährigem Durchschnitt (112).
  • 35 Felstote
    Zahl zu 2008 stark zugenommen (26). Weit über Niveau der letzten Jahre. Deutlich über zwölfjährigem Durchschnitt (27). Dritthöchste Zahl seit zwölf Jahren.
  • 14 Lawinentote
    Zahl zu 2008 stark abgenommen (22). Geringste Zahl seit 5 Jahren. Drittniedrigste Zahl seit zwölf Jahren. Weit unter zwölfjährigem Durchschnitt (24).
  • 13 Tote auf Skitouren
    Zahl zu 2008 deutlich abgenommen (18). Niedriger als Niveau der letzten Jahre. Weit unter zwölfjährigem Durchschnitt (20).
  • 9 Vermisste, die wohl tot sind
    Geringe Zunahme zu 2008 (8). Niveau der letzten Jahre bestätigt. Insgesamt weit unter zwölfjährigem Durchschnitt (19).
  • 5 Tote auf Pisten
    Zahl zu 2008 gleich (5). Niedrigste Zahl wie 2008 seit zwölf Jahren. Weit unter zwölfjährigem Durchschnitt (11).
  • 3 Tote bei Eis- und Gletschertouren
    Niveau der letzten Jahre bestätigt. Unter Durchschnitt der letzten zwölf Jahre (4).

NACH STAATSBÜRGERSCHAFTEN

  • 3.203 Geborgene mit ausländischen Staatsbürgerschaften
    Zahl zu 2008 leicht gestiegen (3.119). Niveau der letzten Jahre bestätigt. Weit unter zwölfjährigem Durchschnitt (3.749)
  • 2.990 Inländer
    Zahl zu 2008 stark gesunken (3.342). Genau im zwölfjährigen Durchschnitt (2.994).

STATISTIK DER EINSATZKRÄFTE FÜR 2009

  • 11.420 ÖBRD-Mitglieder bundesweit
    Geringe Abnahme zu 2008 (11.437). Niveau der letzten Jahre bestätigt. Insgesamt deutlich über achtjährigem Durchschnitt (11.071).
  • 199 ausgebildete Suchhunde
    Geringe Zunahme zu 2008 (197). Niveau der letzten Jahre bestätigt. Insgesamt leicht unter achtjährigem Durchschnitt (211).
  • 22.561 ÖBRD-Mitglieder im Einsatz
    Leichte Abnahme zu 2008 (23.237). Hohes Niveau der letzten Jahre bestätigt. Insgesamt deutlich über elfjährigem Durchschnitt (21.007)
  • 59.200 Einsatzstunden
    Deutliche Abnahme zu 2008 (73.003). Hohes Niveau der letzten Jahre bestätigt. Deutlich über elfjährigem Durchschnitt (57.613).
  • 278 Suchhunde im Einsatz Deutliche Zunahme zu 2008 (203). Niveau der letzten Jahre bestätigt. Insgesamt weit unter achtjährigem Durchschnitt (442).

AUFSCHLÜSSELUNGEN NACH DEN SIEBEN ÖBRD-LANDESLEITUNGEN gereiht nach Anzahl der ÖBRD-Mitglieder

  • Landesleitung Tirol
    93 Ortsstellen, 4.213 Bergrettungsleute, 51 Suchhunde
  • Landesleitung Steiermark
    53 Ortsstellen, 1.481 Bergrettungsleute, 26 Suchhunde
  • Landesleitung Salzburg
    44 Ortsstellen, 1.450 Bergrettungsleute, 45 Suchhunde
  • Landesleitung Niederösterreich, Wien
    30 Ortsstellen, 1.337 Bergrettungsleute, 8 Suchhunde
  • Landesleitung Vorarlberg
    31 Ortsstellen, 1.270 Bergrettungsleute, 25 Suchhunde
  • Landesleitung Kärnten
    19 Ortsstellen, 913 Bergrettungsleute, 25 Suchhunde
  • Landesleitung Oberösterreich
    23 Ortsstellen, 756 Bergrettungsleute, 19 Suchhunde

HUBSCHRAUBER? WICHTIGER HINWEIS: Alle Daten beziehen sich auf rein bodengebundene Bergrettungseinsätze bei teils gefährlichen Wetterbedingungen (Sturm, Gewitter, Nebel, Schneetreiben, Dämmerung, Dunkelheit ...)

Als einzelne "Einsätze" gelten auch aufwändige Suchaktionen, die mehrere Tage oder manchmal auch Wochen dauern können. Unsere Daten beinhalten NICHT die Arbeit von Hubschrauberbesatzungen, bei denen auch Bergrettungsleute als Flugretter, Notfallsanitäter, Navigatoren und Ärzte im Einsatz sind. Hubschrauber-Einsatzdaten sind in ihrer Gesamtheit in Österreich kaum zu ermitteln, weil es bundesweit eine Vielzahl privater Hubschrauberbetreiber gibt.

Die Mehrzahl publizieren keine genauen Daten, schreibt Martin Zirwig in einer Studie der Universität Wien - ein Wissenschafter, der das österreichische Flugrettungswesen analysiert hat.

Zirwigs Studie

ÖBRD-Einsatzdaten 2008