Ursprung des alpinen Rettungswesens

Zu Beginn des Alpinismus waren es in erster Linie Forscher und Wissenschaftler, die im 16. Jahrhundert die noch unerschlossene Bergwelt betraten. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam mit der Erstbesteigung der markantesten Gipfel der Alpen der sportliche Aspekt hinzu. Der Ausbau des Eisenbahnwesens bedingte eine Verbreiterung des Bergtourismus, sodass in weiterer Folge in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Reihe alpiner Vereine gegründet wurden, darunter 1862 der Österreichische Alpenverein, 1869 der Österreichische Touristenklub und zahlreiche kleinere alpine Gesellschaften.

Waren es zuvor Holzfäller, Jäger und Almhirten, die von Berufs wegen in unwegsamen Bergregionen unterwegs waren, kamen durch den Tourismus mehr und mehr wohlhabende Städter in ihrer Freizeit in die Berge. Mit der Zahl der Touristen nahm zwangsläufig auch die Zahl der Unfälle zu. Im Zuge dessen wurden für den alpinen Einsatz geeignete Rettungsgeräte entwickelt und immer häufiger ein organisiertes Rettungswesen für alpine Unfälle gefordert.

Als auslösendes Ereignis zur Gründung der ersten alpinen Rettungsorganisation
wird ein Lawinenunglück am Reistalersteig auf der Rax am 8. März 1896 angesehen, bei dem drei bekannte Wiener Bergsteiger verschüttet wurden und erst nach tagelanger Suche tot geborgen werden konnten. Der Unfall erregte solches Aufsehen, dass am 24. April 1896 vom Österreichischen Alpenklub in Wien ein Diskussionsabend über die Frage der Organisation eines Bergrettungsdienstes veranstaltet wurde. Gleichzeitig wurde erkannt, dass diese Idee nur durch eine gemeinsame Aktion der großen alpinen Vereine verwirklicht werden konnte.

Am 11. Mai 1896 kamen die Delegierten des Österreichischen Alpenklubs, der Sektion Austria und der Akademischen Sektion des DÖAV, des Niederösterreichischen Gebirgsvereines und des Österreichischen Touristenklubs überein, "…dass in Wien durch die Alpinen Corporationen eine Zentralstelle geschaffen werden soll, welche bei vorkommenden alpinen Unglücksfällen einzugreifen hätte…".

Bei der nachfolgenden vereinsmäßigen Anmeldung wurde der Name "Alpiner Rettungsausschuß Wien" (ARAW) festgelegt. Dieser gilt als der weltweit erste organisierte Bergrettungsdienst, als Vorbild für gleichartige Organisationen in anderen Städten und als Vorläuferorganisation des heutigen Österreichischen
Bergrettungsdienstes.