Enrico, mir graut’s vor dir!

Mit "Enrico" war nicht zu spaßen, denn es war nicht der bekannte Clown, der für Wirbel sorgte: Mit 120 Sachen fegte "Enrico", ein Wintersturm, am 20. April über die Nordalpen und richtete im Bezirk Lilienfeld massive Schäden an. Das war die Übungsannahme der Landeskatastrophenschutzübung 2012, an der 1.000 Einsatzkräfte verschiedener Organisationen beteiligt waren. Die Bergrettung engagierte sich mit insgesamt 137 BergretterInnen an fünf Schadstellen.

Ab 9 Uhr war der gesamte Bezirk in Aufruhr. Waldbrand auf der Reisalpe/Kleinzell. Pkw in den Stausee Erlaufklause/Mitterbach gestürzt. Vermisste im Erlauftal im Stierwaschboden. Ein zerstörtes Jugend-Zeltlager auf dem Eisenstein bei Türnitz.  Vermisste beim Lassingfall/Annaberg. Geängstigte Personen im Eisenbahntunnel am Gerichtsberg bei Hainfeld. Ein Verkehrsunfall nahe Rohrbach. Giftunfall in Marktl bei Lilienfeld. Ein Erholungsheim bei Türnitz war zu evakuieren. Bei Hohenberg musste eine zerstörte Brücke ersetzt werden. Ein großer Windwurf im Annental. Diverse Stromausfälle und Absturz der Kommunikationssysteme in weiten Teilen des Gebietes. Das war das Szenario, das von den Einsatzorganisationen unter der Schirmherrschaft der Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld abzuarbeiten war.

Feuerwehren, Rotes Kreuz und Samariterbund, Wasserrettung, Polizei, Bundesheer mit mehreren Luftfahrzeugen und die Behörden des Landes Niederösterreich übten erstmals im großen Stil die Zusammenarbeit, speziell mit dem neuen, digitalen Funksystem.

"Es ist die größte Übung im Land im Jahr 2012 und wir können stolz sein, dass sich so viele Freiwillige in den Dienst der Sache stellen", freute sich der Katastrophen-Verantwortliche, Landesrat Dr. Stephan Pernkopf. Mit 300 Leuten hatte man gerechnet – 1.000 sind gekommen.

Die Bergrettungs-Jobs

17 Bergretter aus dem Triestingtal und der Wachau bargen gemeinsam mit der Feuerwehr zwei Tote und zehn Verletzte aus dem Tunnel am Gerichtsberg.

Die Canyoning-Gruppe arbeitete sich gemeinsam mit den Ortsstellen des Gebietes West durch den Lassingfall und barg einen Verletzten mit einer Seilbahn. Gemeinsam mit der Wasserrettung wurden ein Toter und weitere drei Verletzte geborgen. Auch an einer Suche beim Stausee in Wienerbruck waren die Bergretter beteiligt.

Ein großer Trupp von 40 BergretterInnen kam bei einer Suchaktion auf dem Eisenstein zum Einsatz: Ein Jugendzeltlager "Schützt die Alpen" wurde hier Opfer des wilden Sturmes. Schwerstarbeit hier auch für die Alpinpolizisten, die mit Identitätsfeststellungen von 100 Teilnehmern alle Hände voll zu tun hatten. Die 25 Verletzten wurden von Bergrettung, Feuerwehr, Rettung und Kriseninterventions-Team betreut. Auch hier waren Tote zu beklagen. Geschminkte Schauspielschüler zeigten in diesem Szenario ihr Können. Sie waren gar nicht leicht zu "behandeln".

Zwei Forstarbeiter waren auf dem Hochstaff bei Kleinzell vom Sturm überrascht worden, wurden von umstürzenden Bäumen eingeklemmt und mussten aus der Luft geborgen werden. Das erledigte der Innenministeriums-Hubschrauber mit den Bergrettern aus Hohenberg und Kleinzell.

Kurzes Resumee gegen Ende der Übung: "Es gibt etwas Verbesserungs-Potential in der Koordination beim Flugbetrieb. Der digitale Funk funktionierte gut. Die Zusammenarbeit der Rettungs-Organisationen verlief wie immer ausgezeichnet, ebenso die Kooperation mit der Feuerwehr", berichtete Bergrettungs-Ausbildungsleiter Hannes Kurz, der als Verbindungsoffizier zu den anderen Organisationen tätig war. Landesleiter-Stellvertreter Wolfgang Bierbauer war voll des Lobes: "Unsere Leute haben sich sehr gut motivieren lassen und konnten zeigen, dass sie ausgezeichnet ausgebildet sind".

Helmut Friessenbichler (Text)
Werner Gugarel, Gerhard Kraushofer, Walter Himann, Hubert Köttritsch und Andreas Etzler (Bilder)    

Tourengeher am Rauhen Kamm abgestürzt

Am 22. März 2012 stieg ein 51-jähriger Mann vormittags mit den Tourenski bis zum Einstieg Rauher Kamm und anschließend mit Steigeisen zum Ötscher Gipfel auf. Im Ausstiegs-Bereich des Rauhen Kamm stürzte er, trotz guter Bergausrüstung, ab und blieb schwer verletzt an der Nordseite des Ötschers liegen. Da er beim Sturz sämtliche Ausrüstungsgegenstände inklusive Handy verloren hatte, versuchte er, nachdem er wieder zu Bewusstsein kam, abzusteigen.

Nach zirka drei Stunden erreichte er eine Forststraße wo ihn schließlich zwei Tourengeher aus Wien fanden, die zuvor eine Rinne gefahren waren. Diese leisteten unverzüglich Erste Hilfe und alarmierten die Bergrettung.

Vier Kameraden der Bergrettung machten sich mit Schneeschuhen auf den Weg zum Verletzten, versorgten den Verunfallten und forderten bei Notruf 144 Niederösterreich einen Notarzthubschrauber zum Einsatzort. Der Verunfallte wurde mit dem Christophorus 3 aus Wiener Neustadt ins Krankenhaus St. Pölten geflogen.

Elisabeth Etzler