Viele Räder stünden still...

Viele Räder stünden still, wenn keiner mehr ein Freiwilliger sein will – Wer löscht die Brände? Wer transportiert die Kranken? Wer birgt Verunglückte? Wer sorgt sich um die Alten und Gebrechlichen? Wer sportelt mit den Jugendlichen? Wer kommt bei Katastrophen schnell zu Hilfe?

„Müsste man allein in Österreich den Freiwilligen ihre Arbeit vergüten, wären 440.000 Vollzeit-Arbeitsplätze einzurichten“, schreibt die Wiener Zeitung in einer Analyse dieser Tage. Gut 100 Millionen Europäer sind es, die ohne Bezahlung das Leben ihrer Mitmenschen bereichern.
Grund genug für die Europäische Union zwischen Euro-Rettungsschirm und wirtschaftlichen Lenkungsmaßnahmen einmal kurz auch an diese Menschen zu denken: 2011 wurde zum Jahr der Freiwilligen Tätigkeiten für aktive Bürgerbeteiligung erhoben.

Sommer-Ausbildungskurs auf der Hohen Wand: Noch reicht das Geld für eine professionelle Ausrüstung.



Vier Hauptziele haben die Europäer dazu formuliert:  
•     Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für Freiwilligentätigkeit
•     Stärkung des Potentials der Organisatoren von Freiwilligentätigkeiten zur Verbesserung der Qualität von Freiwilligentätigkeiten.
•     Anerkennung von Freiwilligentätigkeiten.
•     Sensibilisierung für den Wert und die Bedeutung von Freiwilligentätigkeiten.

Auch, wenn diese Hauptpunkte etwas sperrig formuliert sind, könnte man als „freifliegendes Gummibärchen der Menschenfreundlichkeit“ durchaus zufrieden sein, wenn diesen Merksätzen auch konkrete Aktionen der nationalen Regierungen folgen.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer hat sich bedankt. Bei den rund 3 Millionen Österreichern über 15 Jahre, die wöchentlich 15 Millionen freiwillige Stunden unbezahlt leisten. Am 16. Februar wird die Politik in Salzburg das Freiwilligenjahr offiziell eröffnen. „Mit einer Vielzahl von Maßnahmen und Aktivitäten, die den großen Stellenwert von Freiwilligenarbeit für die Lebensqualität und sozialem Zusammenhalt öffentlich und sichtbar machen“, schreibt das Sozialministerium in einer Aussendung.

Winter-Ausbildung auf der Gemeindealpe: Sieben Tage Top-Ausbildung für Bergretter im Winter.

 


Natürlich warten auch wir Bergretter hier auf weitere konkrete Aussagen und Aktivitäten. Und wir freuen uns über jede offizielle Aktivität, die unsere Organisationen ins rechte Licht rückt und unsere persönliche Stellung  in der Gesellschaft verbessert.

80.000 ehrenamtliche Einsatzstunden hat der Bergrettungsdienst im Jahr 2010 für das Gemeinwohl im wirtschaftlich intensiv genutzten Tourismusland Österreich geleistet. 6.000 Personen haben wir geborgen bei 374 Sucheinsätzen, 75 Lawineneinsätzen, viele auf der Piste, auf Skitour, im Fels, oder auf Wanderwegen.

Zu 860 Einsätzen wurden wir Bergretter aus Niederösterreich/Wien gerufen, 830 Personen haben wir im Vorjahr geborgen. 3.162 Bergretter leisteten dabei 5.341 Einsatzstunden. Und –zigtausend Bereitschaftsstunden.

Einsatz oft bei „Sauwetter“: Viele verausgaben sich dabei bis an ihre Grenzen.

 

 

Oft haben sich die Bergretter/innen bei „Sauwetter“ im Einsatz voll verausgabt oder sogar selbst in Gefahr begeben – Zum Glück ist nie etwas passiert. Auch, weil wir uns eine professionelle Ausbildung unserer Bergretter und eine gute Ausrüstung (noch) leisten können.

Zur Abwendung von Nachwuchsproblemen, vor allem im Bereich der Funktionsträger, wären Anreizsysteme, wie zum Beispiel eine Anrechnung der Freiwilligenarbeit im Pensionsystem für die Mitglieder von Rettungsorganisationen mit gesetzlichem Auftrag wünschenswert.

Helmut Friessenbichler

Hunde sind nicht nur treue Begleiter, sie werden auch intensiv ausgebildet.