Gebietsübung Mitte – Szenario: Firmenfeier mit Folgen

134 Einsatzkräfte der Bergrettung, der Feuerwehr, des Roten Kreuzes, der Alpinpolizei und des Bundesheeres übten am 17. September im Gebiet des Muckenkogel (Bez. Lilienfeld) den Einsatzfall.

Eine Firma aus dem Bezirk Melk veranstaltet  auf der Klosteralpe eine Firmenfeier. 15 Teilnehmer sind am Freitag mit dem letzten Lift zur Bergstation gefahren und haben an dem Fest teilgenommen. Am Samstag um 5.30 Uhr erwartet ein Bus die Firmenangehörigen beim Liftparkplatz.

Als bis 6 Uhr keiner der Teilnehmer zum Bus kommt und der Busfahrer auch am Handy niemand erreicht, wird über Notruf 140 alarmiert. Die vermisste Gruppe hatte keinerlei Ortskenntnisse. Über Nacht war starker Nebel eingefallen.  So lautete das Übungs-Szenario.

Bergrettung und Polizei entschließen sich nach einer ersten erfolglosen Grobsuche, einen Großalarm auszugeben. Um 8.47 Uhr ging die erste Einsatz-SMS an die Bergrettungs-Ortsstellen im Gebiet Mitte: Wachau, St. Pölten, Lilienfeld, Kirchberg, Freiland, Hohenberg, Annaberg, Türnitz, St. Aegyd, Mitterbach und Kleinzell wurden alarmiert und rückten mit 80 Leuten  in "Echtzeit" zum Einsatzort an, wo die Bergrettung Lilienfeld inzwischen die Einsatzleitung übernommen hat. Tatkräftig unterstützt werden die Bergretter von der Feuerwehr, dem Roten Kreuz, und dem Bundesheer mit einer Agusta Bell 212.

Geübt wurde nicht nur das Suchen, Erstversorgen, Bergen und Abtransportieren von Versprengten und Verletzten, sondern auch die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften mit dem neuen Kommunikationsmittel Digitalfunk BOS. Übungsleiter Alfred Gruber zeigte sich abschließend sehr zufrieden: "Alles hat wunderbar funktioniert".

Um 12.31 Uhr war der letzte Abgängige gefunden, um 14.00 Uhr die Übung unfallfrei abgeschlossen.

Mag. Barbara Vojtek von der Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld, der Bürgermeister der Gemeinde Herbert Schrittwieser und sein Vize Wolfgang Labenbacher machten sich ebenso ein positives Bild wie AEG- und Polizei-Bezirkschef Michael Hochgerner und Lilienfelds FF-Kommandant Karl Gravogl.  

Text: Helmut Friessenbichler
Bilder: Helmut Friessenbichler / Walter Himann

Liftbergung in Annaberg: "Im Prinzip ok"

Bei der Liftbergeübung am 23. Oktober in Annaberg haben 52 Bergretter den langen Reidl-Lift in zwei Stunden "abgeräumt". Im Ernstfall hätte es aber laut Gebiets-Einsatzleiter Fred Gruber mehr Einsatzkräfte gebraucht: "Wir brauchen mehr Bodentruppen"

Es war eine bis ins Detail vorgeplante Übung, welche die Bergretter des Gebiets Mitte am 23. Oktober in Annaberg professionell abgearbeitet haben. 40 Personen wurden in der Zeit von zwei Stunden vom Sessellift problemlos geborgen. Gruber war "im Prinzip" auch zufrieden. Neun Bergeteams hatten in elf Sektionen ganze Arbeit geleistet.

"Aber im Ernstfall brauchen wir jeden Mann und jede Frau", sagte Gruber, denn speziell an Bodenmannschaften würde im Ernstfall sogar ein Mangel herrschen. "Die Geborgenen müssen von der Bodentruppe empfangen, zu den Sammelplätzen geleitet und nach ihren persönlichen Daten gefragt werden", sieht Gruber noch Verbesserungspotential. Im Winter müsse man mit eisigen Pisten und Unterkühlungen rechnen. Allerdings kann man auch davon ausgehen, dass im Ernstfall die Motivation der Bergretter um ein Vielfaches größer ist.      

Bilder: Robert Salzer

 

Canyoningübung im Dreiländereck

Steirer, Oberösterreicher und Niederösterreicher übten in der Weissenbachschlucht

Wie bereits in den letzten Jahren (Nacht-Einsatzübung am Erbsattel) trat Pircher Martin, Referent der Canyoninggruppe Steiermark, an die C-Gruppe Nö heran, um die herbstliche Übung gemeinsam abzuhalten. Pircher plante eine Einsatzübung in der Weissenbachschlucht nahe Hieflau, zusammen mit den Canyoninggruppen OÖ und NÖ.

Diese gute Zusammenarbeit der C-Retter rührt daher, da es sich bei den Canyoninggruppen um Spezialisten in der Bergrettung handelt. Diese Gruppen werden relativ klein gehalten, weil die Ausbildung der Retter und die Ausrüstung sehr aufwändig und kostspielig sind. Ein weiterer Grund für die Kooperation sind grenznahe Schluchten. Diese sind oft von den C-Rettern der drei Bundesländer in der gleichen Zeit erreichbar, was bei diesen Rettungsaktionen von großer Bedeutung ist. Deshalb profitieren alle Seiten, sowohl  die Retter als auch die zu Bergenden davon, wenn die Canyoninggruppen aller drei Bundesländer gemeinsam ihre Übungen durchführen.

Zur Übungsannahme: Ein Canyonaut verletzt sich kurz nach Beginn der Tour beim Abseilen durch einen Wasserfall schwer.  Sein Kamerad versorgt ihn  notdürftig, und es gelingt ihm, alleine die Schlucht zu verlassen und die Rettungskräfte zu alarmieren. Diese kommen am Schluchtausgang zusammen, teilen sich  in drei Gruppen auf und beginnen mit dem schweißtreibenden Aufstieg.  Die  Gruppen steigen gemeinsam bis zum Verletzten ab und teilen sich dann auf. Die erste Gruppe "Seilbahn" baut  Seilbahnen und Sicherungen  auf, um den Verletzten möglichst schnell und schonend ins Trockene zu bringen. Die zweite Gruppe führt die Versorgung und Bergung des Verletzten durch. Und schließlich die dritte Gruppe "Nachhut" sammelt das Material hinter der Bergemannschaft ein und bringt es zu der Seilbahnmannschaft nach vorne, damit diese weitere Sicherungen aufbauen können.

Die Retter der Canyoninggruppe NÖ waren in allen drei Gruppen aufgeteilt und unterstützten die Kameraden der Steiermark und Oberösterreich bei der Bergung. Die gesamte Bergung des Verletzten in der Weissenbachschlucht dauerte zwei Stunden, in denen den C-Rettern keine Zeit zum Durchatmen blieb.

Bericht: Christina Kölch, Canyoninggruppe NÖ '
Fotos: Erich Bretterbauer, Landesleitung Steiermark, Presse & Medien

Gebietsübung am Hochkar

Von ungeplanten Ereignissen war die große Bergrettungsübung des Gebietes West am 17.4. am Hochkar geprägt: Vulkanstaub aus Island hielt vorerst alle Hubschrauber am Boden und veranlasste die Einsatzleitung gleich zu Beginn zu massiven Umplanungen.

Nach einem großen Lawinenabgang im Draxlerloch mit 12 Verschütteten (Übungsszenario) ereignete sich, während die Bergung in vollem Umfang lief, ein zweiter Lawinenunfall. 7 Verschüttete wurden den Einsatzkräften gemeldet. Kaum war dieser Einsatz voll angelaufen, schoss ein Bergsteiger in Not vom nahen „Helli Kraft“-Klettersteig eine rote Leuchtkugel ab…

100 Bergretter aus dem Mostviertel, 12 Bundesheer-Soldaten, 5 Alpin-Experten der Polizei und drei Mitarbeiter der Hochkar GmbH übten den organisationen-übergreifenden Einsatz und arbeiteten sich von 9 bis 13 Uhr durch die Szenarien. Nach 2 Stunden waren alle Verunglückten geborgen. Notruf 144 steuerte mit einem eigenen Team die Einsatz-SMS für die Rettungskräfte direkt vom Hockar aus.

„Für uns alle ist es wichtig, die Zusammenarbeit von Zeit zu Zeit zu üben, um im Ernstfall gut organisiert zu sein“, sagte Übungsleiter Andreas Etzler von der Bergrettung. Als Beobachter der Übung war auch der Bezirkshauptmann von Scheibbs gekommen. Er machte sich ein Bild über die Schlagkraft „seiner“ Einsatzkräfte, die er im Katastrophenfall zu dirigieren hätte.  

Helmut Friessenbichler

Am Lawinenkegel

Der Heeres-Bergetrupp

Lebendbergung

Mannschaftstransport

Notarzt im Einsatz

Sondierkette

Sonnenaufgang im Vulkanstaub (Alle Bilder: Helmut Friessenbichler)